Schreiben lernen im Kindergarten - Gewollt oder verboten?

 

Ein Spaziergang wird zur Sprachexkursion Die kleine Marie* wird im kommenden Monat vier Jahre alt. Während eines Spaziergangs blieben wir bei einer alten Telefonzelle stehen. Plötzlich legte sie ihre Hand auf einen der dort aufgeklebten Buchstaben und erklärte, dass dieser ihr „gehöre“. Es stimmt, denn es war der Anfangsbuchstaben ihres Namens. Der Schulanfang liegt – jedenfalls aus der Sicht eines Kindes – noch in entfernter Zukunft. Es sind immerhin noch mehr als zwei Jahren bis dahin. Überfordert es Kinder, schon vor der Grundschule mit der Welt der Buchstaben konfrontiert zu werden? Oder ist gut, die Zeit zu nutzen, in der der Wissensdurst der Kleinen so ausgeprägt ist? Im Folgenden finden Sie einige Gedankenanstöße dazu, die Ihnen helfen, richtig mit der Situation umzugehen.

 

Ist das normal?

 

Stellt man fest, dass das eigene Kind bereits mit wenigen Jahren starkes Interesse an Buchstaben und Zahlen hat, kann eine gewisse Unsicherheit entstehen. Ist das normal? Ist mein Kind hochbegabt? Muss ich es fördern? Oder: Ist es nicht zu früh, dass es jetzt schon schreiben lernen möchte?

Diese Fragen sind durchaus berechtigt und die Anzahl der Blogeinträge und Forenbeiträge zu diesem Thema bestätigen, dass Sie keinesfalls die einzige Person sind, die sich mit jenen Gedanken auseinandersetzt. Schon bei einer ersten Recherche lassen sich viele hilfreiche Tipps und Anregungen finden, z.B. in einem Artikel von Claudia Jacobs oder einem Artikel, der das Konzept von Montessori aufgreift.

Verschiedene faktisch fundierte Kommentare und Hilfestellungen können Ungewissheit nehmen und Möglichkeiten zeigen, wie Konzepte im bunten Alltagstrubel umgesetzt werden können.

 

Theater, H, Farat, Wort und dann der Text

 

Das Stufenmodell aus dem Leitfaden „ILeA 1 – Individuelle Lernstandsanalysen im Anfangsunterricht“ gliedert den Prozess des Lesen- und Schreibenlernens in verschiedene Phasen. Zunächst malen und kritzeln die Kinder etwas, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Während dieser Phase beginnen sie interessanterweise damit, das Schreib- und Leseverhalten zu imitieren. Sie tun so, als ob sie es schon könnten. An dieser Stelle wird besonders deutlich, wie ausschlaggebend die Prägung durch die Eltern ist. Denn wer oft beobachtet, wie jemand laut liest oder etwas schreibt, wird es umso besser als „Theater“ nachmachen können.

Etwas später werden die ersten einzelnen Buchstaben aufgezeichnet. Für welchen Laut die Buchstaben des ABC stehen, ist dabei noch unbekannt. Möglicherweise werden aber schon ganze Wörter erkannt, wenn diese häufig und ganz bewusst von dem Kind wahrgenommen wurden (z.B. „MAMA“).

Nach der Vorstufe und der 1.Stufe wird die 2.Stufe erreicht, in der Wörter in sehr vereinfachter Form wiedergegeben werden. Hier wird aus dem Fahrrad kurzerhand ein Farat.

In der 3. und 4.Stufe entwickeln sich die Fähigkeiten so weiter, dass schlussendlich ganze Texte erfasst werden können und beim Schreiben schließlich auch orthografische Regeln und Strukturen berücksichtigt und bewusst gewählt werden. Wissenswerter Fakt: Kinder, denen früh viel vorgelesen wurde, haben eine höhere Motivation zu lernen und es fällt ihnen zudem leichter. Die Vorlesestudie 2018 von Stiftung Lesen, Die Zeit und Deutsche Bahn Stiftung zeigt diesen Zusammenhang zwischen der Vorlesehäufigkeit und dem Erlernen des Lesens.

 

Eine Blume, die wächst und erblüht

 

Während dieser Stufen können Sie Ihren Sohn oder Ihre Tochter ganz einfach unterstützen. Begleiten Sie Ihr Kind ohne ehrgeizige Ziele vor Augen zu haben oder es mit anderen Kinder zu vergleichen. Freuen Sie sich über Ihr Kind, dass es sich so für das Lesen und Schreiben interessiert. Und gehen Sie mit ihm auf Entdeckungstour: eine schöne Zeit mit dem Kind verbringen, mit ihm lachen, mit ihm das Zusammenspiel von Buchstaben und Tönen neu erleben und Spaß an den kleinen Dingen des Lebens haben.

Ihr Kind ist wie eine wunderschöne Blume, die zu ihrer Zeit wächst und blüht. Wenn das Kind jetzt lesen und schreiben möchte – das was für uns Erwachsene so normal ist – dann kann es das lernen, ohne Zwang und mit ganz viel Freude und Natürlichkeit.

 

 

*Name geändert

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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